Leipzig, Mai 2026 – Das LiveKommbinat Leipzig e.V. (LKL) nimmt die aktuelle Evaluation der „Botschaft der Nacht“ zum Anlass, ein klares Bekenntnis zur Zukunft unserer Nachtkultur-Governance abzugeben. Als maßgeblicher Initiator des Konzepts und Träger der Koordinierungsstelle blicken wir mit Stolz auf den Weg zurück, den wir gemeinsam mit Kordula Kunert (ex LiveKommbinat Leipzig) und vielen Wegbegleiter:innen vor Jahren mit dem ersten Konzept geebnet und ab 2021 umgesetzt haben.
Die Ergebnisse der Evaluation belegen: Die Botschaft der Nacht ist kein Pandemie-Relikt, sondern ein unverzichtbarer Pfeiler für die Resilienz und Handlungsfähigkeit der freien Leipziger Nachtkultur-Akteur:innen.
Der Dreiklang der Nacht: Struktur und Funktion des Modells
Die Botschaft der Nacht ruht auf drei Säulen. Zentral ist dabei das Duo der ‚Doppelspitze‘: Die verwaltungs-externer Koordinierungsstelle Nachtleben und der städtische Fachbeauftragte für Nachtkultur. Komplettiert wird dieses Duo durch das ehrenamtliche Gremium des NachtRats.
Die verwaltungsexterne Koordinierungsstelle Nachtleben dient als niedrigschwellige Anlaufstelle für Veranstalter:innen, Anwohnende und Menschen aus dem Umfeld von Clubs und Livespielsätttenn. Die aktuell durch städtische Mittel finanzierte Stelle vermittelt frühzeitig bei Konflikten, organisiert szenerelevante Beratungs- und Weiterbildungsangebote, ist sichtbare Anlaufstelle bei allen möglichen Fragen und stärkt Nachtkultur als Ganzes nachhaltig.
Der Fachbeauftragte für Nachtkultur ist das verwaltungsseitige Pendant dazu, der die Dinge beschleunigt innerhalb der Stadtverwaltung ins Rollen bringen kann und das Thema Nachtkultur als Querschnittsthema in den Bereichen Stadtentwicklung, Wirtschaft und Kultur stärkt.
Das Duo wird ergänzt durch das ehrenamtliches Gremium des NachtRats. Er besteht aus Akteur:innen der Clubkultur, Nachtökonomie, Initiativen, Verbände, Verwaltung und Behörden. Seine Kernaufgabe ist es, aktuelle Themen zu bündeln und konkrete Handlungsbedarfe an die Doppelspitze zu melden. Das Gremium fungiert als praxisnahes Plattform und Schnittstellengremium.
Stets wirksam für Prävention, Sicherheit, Wirtschaft und Kultur
Die Evaluation liefert den Beweis: Die Botschaft der Nacht wirkt. Die Evaluation zeigt deutlich, dass sie eine einzigartige Schnittstelle zwischen Szene, Verwaltung und Politik geschaffen ist, die Vorurteile abbaut, Konflikte präventiv löst, bevor sie ausufern, und Kommunikation zwischen Stakeholdern überhaupt erst effektiv möglich macht. Dadurch werden zugleich Ressourcen und Kapazitäten bei Verwaltung, Ordnungsamt und Polizei geschont, weil Konflikte frühzeitig moderiert und Eskalationen verhindert werden. Gerade in Zeiten knapper Kassen und überlastetem Ehrenamt wäre es fatal, dieses Modell zu schwächen. Prävention ist unsichtbar, aber unverzichtbar. Ein Wegfall der Koordinierungsstelle (Szenario B in der Evaluation) würde nicht nur die Szene-Anbindung massiv erschweren, sondern unmoderierte Konflikte sich selbst überlassen und damit das kreative Potential der Nachtkultur in Leipzig verschenken.
„Nachtkultur ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern eines der Herzstücke Leipzigs: In der CLIV-Befragung von Besucher:innen, Nicht-Besucher:innen gehörten Clubs und Livemusikspielstätten für 84 Prozent untrennbar zur Stadt. 77 Prozent sehen in ihnen zudem einen Grund dafür, warum junge Menschen nach Leipzig strömen.* Leipzigs Image als Kulturstadt und potenzieller Wohnort für dringend benötigte Fachkräfte profitiert enorm von dieser freien Szene. Jüngst wurde das bestätigt durch eine Erhebung der Stadt Leipzig in der es heißt, dass mehr als 70% der Leipziger:innen Angebote der freien Kunst und Kultur für wichtig oder sehr wichtig hält**.
Gedeckt durch die Erkenntnisse der unabhängigen Evaluation der Botschaft der Nacht fordern wir die Verstetigung der Doppelspitze durch eine dauerhafte kommunale Finanzierung.
Veränderung und mehr Struktur statt Selbstausbeutung
Wie jedes Modell traf auch die Botschaft der Nacht auf die Postcorona-Realitäten. Speziell die Arbeit des NachtRats in der aktuellen Form bedarf einer Anpassung. Das Evaluationsdokument erweist dem ehrenamtlichen NachtRat als Element der Botschaft der Nacht eine notwendige neue Offenheit und höhere Repräsentativität. Beispielsweise durch die Einbindung von weiteren Akteur:innen aus der Clubkultur, Spätis, Security und Expert:innen für Inklusion. Das würde den NachtRat im Wortsinn stärken und legitimieren. Doch diese Erweiterung darf nicht allein auf dem Rücken des Ehrenamts lasten. Die Evaluation warnt zur Recht deutlich davor, dass rein ehrenamtliche Strukturen diese Arbeit nicht dauerhaft tragen können.
Uns ist als Mitglied im NachtRat, maßgebliche Urheberinstitution und Projektträger wichtig aus der Evaluierung hervorzuheben, dass es Ressourcen braucht, um komplette Überlastung zu vermeiden. Zum Beispiel durch die Einführung bzw. Bereitstellung von Mitteln für Ehrenamtspauschalen wäre nicht nur notwendiges Zeichen der Wertschätzung für die eingebrachte Expertise und das Engagement, sondern essentiell, damit Repräsentation ermöglicht wird.
Den Gewinn für Lebensqualität in Leipzig sichern
Die eingesetzten vergleichsweise geringen öffentlichen Mittel sind in der Botschaft der Nacht hervorragend investiert. Durch präventive Arbeit, Partizipation und effizientes Handeln auf der Verwaltungsseite wird einer der wichtigsten Faktoren für Lebensqualität in Leipzig gestärkt. Hier wird wirksam etwas für Prävention, Sicherheit, Wirtschaft und Kultur erreicht.
Als LiveKommbinat Leipzig e.V. möchten wir diesen Erfolg unbedingt fortgesetzt sehen, aber auch notwendige Änderungen gemeinsam mit den Akteur:innen der Nachtkultur begleiten und umsetzen. Wir laden die Stadtspitze, die gewählten Vertreter:innen der Ratsversammlung ein diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen und für die passenden Rahmbedingungen und Mittel zu sorgen. Für eine verstetigte kommunale Finanzierung der Botschaft der Nacht, Einführung von Ehrenamtspauschalen für Mitglieder des NachtRats sowie nowendige Anpassungen des Modells Botschaft der Nacht.
Links und Quellenangaben
- Evaluation: https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.4_Dez4_Kultur/41_Kulturamt/Nachtkultur/Evaluation_2026/Evaluation_Botschaft_der_Nacht_Bericht.pdf
- Präsentation: https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.4_Dez4_Kultur/41_Kulturamt/Nachtkultur/Evaluation_2026/Evaluation_Botschaft_der_Nacht_Präsentation.pdf
- PM der Stadt Leipzig: https://www.leipzig.de/newsarchiv/news/botschaft-der-nacht-leipzig-wirkt-positiv
- https://www.leipzig.de/kultur-und-freizeit/kultur/nachtkultur
- https://www.nachtrat-leipzig.de
Quellenangaben
* Conoscope (2025): CLIV – Studie zu Clubs und Livemusikspielstätten in Leipzig. Im Auftrag der Stadt Leipzig, des Kulturamts Leipzig , Leipzig.
** Stadt Leipzig (2026): Kultur – zahlt sich aus. Leistungs- und Kennzahlen der Freien Szene in Leipzig. Vortrag vom 18.05.2026 im UT Connewitz, Leipzig.
