Redebeitrag auf der Global Space Odyssey, 20.09.2025, Augustusplatz Leipzig

Ort des Redebeitrags, Augustusplatz, Leipzig

Diese Rede wurde auf der Zwischenkundgebung der Global Space Odyssey am 20.09.2025 auf dem Augustusplatz im Namen des LiveKommbinats Leipzig e.v. gehalten.

Liebe Freundinnen und Freunde,
Ich will euch nicht erzählen, was ihr ohnehin schon wisst: Clubs schließen. Kultur gerät unter Druck. Überall wird gekürzt. Ihr kennt die Zahlen. Ihr kennt die Geschichten. Aber: Das ist heute nicht mein Thema.
Der Demoaufruf sagt zu Recht: Wir wollen eine laute, lebendige und vielfältige Kulturszene. Ich will heute betonen und hinzufügen: Das gegenseitige Verständnis füreinander und die Akzeptanz der Unterschiedlichkeit, muss ganz besonders innerhalb „der“ Szene gelten. Wir dürfen uns nicht lähmen lassen. Nicht von Streit. Nicht von Eitelkeiten.

Das ist sicher kein einfaches Thema, aber es brennt mir auf der Seele. Als jemand, der im LiveKommbinat Leipzig e.V. tätig ist, der Social Media verfolgt, auch zuhört und beobachtet, will ich zwei Eindrücke schildern: Da sind Menschen, die trotz aller Unterschiede solidarisch sind, anpacken, für Andere einstehen, Dinge ansprechen und dabei Gemeinsamkeiten suchen – und die auch oft genug finden. Und leider gibt es auch eine andere Seite: Menschen, die Unterschiede mit der Lupe suchen, sie verstärken und zum Drama erheben. Oder sowas unhinterfragt teilen. Oder Menschen, die aus Sorge, mit den falschen Leuten zu interagieren, lieber gar nichts tun oder sagen. Kurz gesagt: Menschen, die vor allem schwarz-weiß sehen.

Mich macht das nachdenklich – weil wir dem Anschein nach nicht mehr so viel davon übrig haben, was uns im Alltag Kraft gibt, unserem Inneren Ausdruck verleiht, und was uns gesellschaftlich zusammenhält. Wenn wir beim Thema Kultur und Musik anfangen, uns selbst zu atomisieren, dann bleibt in dieser auseinander driftenden Welt nicht mehr viel Gutes.

Und bevor das jemand falsch versteht: Nein, unsere Grundwerte sind nicht verhandelbar: Kein Platz für Diskriminierung, kein Platz für Sexismus, Rassismus oder Queerfeindlichkeit. Erst Recht kein Platz für rechte Hetze, Gewalt, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit.

Und gerade weil wir uns auf diese Werte stützen, weil wir gemeinsam für sie einstehen und kämpfen wollen, sollten wir uns nicht in Grabenkämpfe verstricken aber dafür den Mut haben direkt und miteinander und offener zu sein. Manches trennt uns, klar. Aber wenn es Unterschiede gibt, dann weil es sie geben muss. Wir zerstreiten uns deshalb nicht – sondern wissen: Am Ende stehen wir dafür und dafür zusammen.

Und genau das spürt und kennt ihr in den Momenten, die uns wirklich tragen: auf Konzerten, wenn du in Menge beim Refrain im Chor mitsingst, wenn dich im Club der Sound mit wildfremden Menschen im Moment vereint oder wenn die Afterhour im Grünen dich in eine andere Welt trägt.

Und genau deshalb sind Clubs und Livemusikspielstätten so wichtig. Sie sind natürlich nicht bloße Orte des Vergnügens, sondern Begegnungsorte. Wo wir unterschiedlicher Meinung sein können; wo experimentiert wird, Neues entsteht und Altes hinterfragt wird; wo gestritten und diskutiert wird – und wo man sich auch wieder versöhnt; wo Fragen gestellt und gemeinsam Antworten gesucht werden; und ja: wo gefeiert wird.

Gerade jetzt, wo Nazis wieder Land sehen, brauchen wir diese Räume – nicht nur in Leipzig. Wir brauchen Zusammenhalt, Offenheit, Demokratie. Der Aufruf zur Demo besagt: „Kulturszene stärken heißt Demokratie stärken!“ Und genau das tut ihr, tun wir – heute – zusammen. Auf der Straße und durch die besten Momente, die uns verbinden!

Räume für Träume – Reclaim the Space! Danke!

Redebeitrag von fem*vak

Auch fem*vak – das Leipziger queerfeministische Netzwerk für FLINTA* in der Musikszene – hat sich auf der GSO zu einem ähnlichen Thema geäußert. Wir fanden die Perspektive sehr wichtig und möchten daher deren Persepektive hier teilen:

Leipzig! Was für ein Tag, was für eine Demo. Wir haben heute ein so riesiges Leuchtfeuer gezündet, dass auch der letzte konservative Politiker checken muss, wie wichtig Freiräume und Subkultur sind. Danke an alle, die heute da waren und so ein starkes Zeichen gesetzt haben!

Wir schreien es von den Dächern und trotzdem sind unsere Räume unter Druck und werden zurückgedrängt. Dem versuchen wir von Sachsentrance und fem*vak etwas entgegenzusetzen. Wir machen Kultur, möglichst niedrigschwellig, möglichst für alle. Insbesondere für diejenigen, die es sonst schwer haben.

Wir finden das wichtig, weil Kultur Menschen zusammenbringt. Vorurteile abbaut. Dort wo Menschen sich begegnen und zusammen feiern, entstehen Toleranz und Zusammenhalt.

Rechte hassen das! Sie wollen uns spalten und auseinander treiben. Mit einer lebendigen Subkultur setzen wir dem Rechtsruck direkt etwas entgegen!

Unsere Kulturräume können wir aber nur dann verteidigen, wenn wir zusammenhalten und alle mitnehmen – und da müssen wir alle mal aus unserer eigenen Bubble raus und schauen, wie alle Menschen die gleichen Chance bekommen können. Mit welchen Herausforderungen haben z.B. Frauen/FLINTA. queere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder People of Colour zu kämpfen? Wie können dem entgegenwirken?

Es ist leicht zu vergessen, mit welchen zusätzlichen Belastungen diese Gruppen zu kämpfen haben. Belastungen, die sie davon abhalten, Kultur zu schaffen oder daran teilzuhaben. Das ist für die Personen selbst schade und ungerecht aber ganz wichtig auch:

Wieviel Kunst kam nie auf die Bühne, weil wir Menschen nicht mitdenken?
Wieviel Potenzial geht uns durch die Lappen, weil wir diese Hindernisse nicht beseitigen?
Wieviel Mehrwert ging schon verloren, weil manche Personen ausgeschlossen wurden?
Wieviele Talente verlassen uns, weil sie sich nicht willkommen fühlen?
Wieviel mehr kollektive Kraft und Stärke und Zusammenhalt könnten wir haben?

Wir setzen uns ein für mehr Gleichberechtigung. Denn das macht uns stärker. Machen wir dabei immer alles perfekt? Nein. Manchmal stehen uns externe Hindernisse im Weg, manchmal machen wir selbst Fehler. Manchmal können wir nicht alles auf einmal fixen aber jede große Veränderung fängt im Kleinen an.

Unterm Strich ist für uns klar: Alle müssen etwas vom Kuchen abhaben. Wir müssen uns tolerant begegnen, auch wenn es innerhalb der Szene zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Wir müssen lernen, diese zusammen auszuhalten.

Es macht uns traurig und wütend, wenn wir sehen, dass die Rechte komplett ohne Moral vereint dasteht aber wir uns in den Haaren liegen, wenn Moralvorstellungen oder Perspektiven mal abweichen. Wir müssen Fehlerfreundlicher werden, konstruktiver und gemeinsam wachsen. Anders als die Rechte haben wir keine einfachen Antworten auf komplexe Themen. Und das ist gut so. Aber es verlangt von uns rücksichtsvoller miteinander zu sein und tolerant, auch wenns uns mal nicht passt.

Aber hier trotzdem wichtig: keine Toleranz für Intoleranz!

Und zu Guter letzt: Um unsere kleinen Utopien zu schaffen brauchen wir ganz physische Räume. Clubs. Kulturzentren. Diese stehen durch Kostensteigerungen, Auflagen und weniger Besuchende extrem unter Druck. 

Wir finden: Clubs müssen als Kulturorte anerkannt werden und den gleichen Schutz erfahren wie z.B. Opern. Und den gleichen finanziellen Support!

Bis es soweit ist lasst uns künftig einmal öfter weggehen und ein Getränk mehr an der Bar trinken. Feiern für den guten Zweck quasi.

Für inklusive Vielfalt, für uns alle! 

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