LKL Rede bei der GSO

Über Wirtschaftlichkeit und die Bedeutung von Clubs für unsere Stadt

Am 06.06.2026 fand die Global Space Odyssey in Leipzig statt. Es wurde ein starkes Zeichen gesetzt für die Bedeutung einer vielfältigen Kulturlandschaft in Leipzig. Unter dem Motto „Räume für Träume – Reclaim the Space!“ wurde darauf aufmerksam gemacht unter welcher Bedrängnis die kulturellen Räume in Leipzig stehen. Wir waren mit einem Redebeitrag dabei, den ihr hier nachlesen könnt:

Das Livekommbinat ist ein Zusammenschluss von Clubs und Livemusikspielstätten dieser Stadt – von Menschen also, die Leipzigs Nacht- und Kulturlandschaft jeden Tag mitgestalten und mit Leben füllen.

Wir haben uns gefragt, Was beschäftigt euch, was beschäftigt die Menschen in Leipzig gerade besonders, wenn es um Clubkultur geht?

Vielleicht habt ihr selbst schon darüber nachgedacht, als ihr das letzte Mal vor einem Club standet: Wir sprechen heute über Eintrittspreise.

Wie kann es sein, dass ein Clubabend heute 18 oder 20 Euro kostet, wenn man vor zehn Jahren oft noch für die Hälfte reingekommen ist?

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich: weil Subkultur immer auch den Anspruch hat, offen und zugänglich zu sein – unabhängig vom Geldbeutel. Und glaubt uns: Die wenigsten Clubs erhöhen ihre Preise freiwillig. Niemand findet hohe Eintrittspreise gut.

Die meisten Clubs in Leipzig sind keine großen Unternehmen mit finanziellen Reserven im Hintergrund. Sie erhalten keine institutionelle Förderung, haben kaum finanzielle Sicherheiten und tragen das wirtschaftliche Risiko allein.

Und genau darin liegt ein grundlegendes Problem: Clubs schaffen Kultur, sie fördern Künstler*innen, sie bieten Räume für Begegnung, Vielfalt und gesellschaftlichen Austausch. Trotzdem werden sie häufig behandelt wie ganz normale Wirtschaftsunternehmen. Sie leisten kulturelle Arbeit – müssen sich aber wirtschaftlich vollständig selbst tragen.

Und wie ein Wirtschaftsunternehmen müssen sie die gleichen Krisen abfedern. Inflation, steigende Personalkosten, Corona, steigende Energiekosten, veränderte Strukturen, neue Anforderungen.

Aber Clubs sind weit mehr als Wirtschaftsunternehmen. Sie sind Kulturorte, Begegnungsräume und Bühnen, auf denen neue Musik, neue Kunst und neue Szenen entstehen. Anders als klassische Unternehmen arbeiten sie dabei nicht nach dem Prinzip der Profitmaximierung. Sie verkaufen keine Massenware, sondern schaffen Räume für Kultur, Austausch und Teilhabe.

Dazu gehören faire Gagen für Künstlerinnen, die Förderung von Newcomerinnen und die Möglichkeit, dass auch kleinere Szenen und Kulturangebote abseits des Mainstreams ihren Platz in dieser Stadt behalten. Clubs sind dritte Räume, in denen Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft erleben können. Und all das wird von vielen Personen getragen: von Technikerinnen, Barpersonal, Veranstalterinnen, Security- und Awarenessteams, und unzähligen Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass Kultur nicht nur stattfindet, sondern auch sicher und zugänglich ist.

Wer Clubs nur nach wirtschaftlichen Maßstäben bewertet, übersieht ihren gesellschaftlichen Wert. Denn Kultur, Gemeinschaft und demokratische Teilhabe lassen sich nicht allein in Bilanzen messen. Und es ist ein Problem, wenn Orte, die so wichtig für die Lebensqualität und kulturelle Vielfalt unserer Stadt sind, gezwungen werden, sich einer reinen Marktlogik zu unterwerfen.

Clubkultur darf nicht irgendwann nur noch etwas für Leute mit viel Geld sein. Wir können nicht erwarten, dass Clubs immer billig bleiben, während alle Kosten drumherum explodieren.
Und da wird das Ganze politisch. Denn Clubs sind eben nicht nur Orte zum Feiern.

Sie sind Orte für neue Musik.
Für Subkultur.
Für queere Communities.
Für People of Color
Für junge Künstler*innen.
Für Menschen, die ausprobieren wollen, was vielleicht noch nicht massentauglich ist.

Kurzum: Sie sind Orte, an denen Kunst und Kultur entstehen. So wie Opern, Theater und Sportvereine auch.

Im Gegensatz dazu haben viele Clubs keinen Zugang zu den Förderprogrammen und der politischen Unterstützung, die anderen Kulturinstitutionen selbstverständlich offen stehen. Dieser wirtschaftliche Druck gefährdet genau das, was Clubs ausmacht: kulturelle Vielfalt, Experimente, Nachwuchsförderung und Freiräume für neue Ideen.

Clubs sollen oft gleichzeitig kulturell relevant, sozial offen und wirtschaftlich komplett eigenständig sein. Und dieser Druck verändert natürlich auch die Kultur selbst. Wenn jede Veranstaltung finanziell funktionieren muss, dann gibt es automatisch weniger Raum für Risiko.

Weniger Raum für Experimente.
Weniger Platz für kleine Genres.
Weniger Möglichkeiten für unbekannte Newcomer*innen.

Und das ist am Ende nicht nur ein Problem für Clubs. Das ist ein Problem für die kulturelle Vielfalt dieser Stadt.

Vielleicht habt ihr es mitbekommen – gerade diese Woche wurde ein Gesetzesentwurf zur Reform des BundesBaurechts veröffentlicht. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zum ersten Mal besteht die Chance, Musikclubs im Baugesetzbuch klar von Vergnügungsstätten abzugrenzen und ihre Bedeutung für unsere Städte anzuerkennen. Das wäre ein historischer Fortschritt. Aber es ist aktuell nur ein kleiner Schritt.

Clubs müssen endlich rechtlich als das anerkannt werden, was sie sind: Kulturorte. Sie dürfen nicht länger in einer Sonderrolle zwischen Kultur und Vergnügen festhängen. Wir brauchen:

– bessere Möglichkeiten für Clubstandorte
– wirksamen Schutz vor Verdrängung
– und moderne Lärmschutzregelungen, die kulturelle Realität berücksichtigen.

Wir brauchen mehr politische Unterstützung für Clubkultur!

Denn wenn wir wollen, dass Leipzig auch in Zukunft eine vielfältige, lebendige und offene Kulturstadt bleibt, dann müssen wir die Orte schützen, an denen diese Kultur entsteht.

DANKE.

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