Clubkataster Leipzig

Die Verdrängung von Clubs und Musikspielstätten hat in den letzten Jahren leider viele Kulturorte von der Karte verschwinden lassen. Mit zunehmenden Entwicklungsdruck in der Stadt und der daraus resultierenden Verdichtung treten häufig Konflikte auf, die in der Regel zu Ungunsten von Clubs und Musikspielstätten ausgehen. Besonders wenn neue Nachbar:innen einziehen oder verpachtete Flächen oder Gebäude verkauft und/oder neuentwickelt werden, ziehen Clubs und Musikspielstätten den Kürzeren.* Das hat im Besonderen mit dem Status von Clubs und Musikspielstätten nach Gesetzeslage in Deutschland (Stichwort „Vergnügungsstätte“) und dem hybriden Wesen der Spielstätten zu tun (Vorrangiges Selbstverständnis als Ort der Kultur, aber zugleich Wirtschaftsbetrieb ohne wesentlichen Anteil öffentlicher Förderung).  

Wenn solche Orte erstmal verschwunden sind stehen die Chance auf eine Neueröffnung oder einen Standortwechsel sehr schlecht.    

Was ist ein Clubkataster?

Ein Werkzeug, um das Verschwinden von Clubs und Musikspielstätten zumindest unwahrscheinlicher zu machen, ist das sogenannte Clubkataster. Das Clubkataster ist ein digitales, geographisches Verzeichnis der Leipziger Club- und Musikspielstätten.  

Das Clubkataster zeigt die Standorte von Clubs und Musikspielstätten in Verbindung mit aktuellen Bebauungsplänen, Sanierungsgebieten und warnt Beteiligte vor möglichen Konflikten. Dadurch sollen bedrohte Clubs frühzeitig informiert und in die Lage versetzt werden auf offiziellem Wege Bedenken anzugeben, bevor es zu spät ist. Es ist in der Essenz ein Instrument, welches bessere Teilhabe an öffentlichen planungsrechtlichen Prozessen und Entscheidungen für Clubs und Spielstätten erlaubt, die andernfalls so nicht stattgefunden hätten. 

Konkret soll das Clubkataster drei Funktionen erfüllen: 

  • Zuständige Ämter intern über das Vorhandensein relevanter Orte informieren, um sie bei Planungen zu berücksichtigen,  
  • Betroffene Orte der Kultur darüber informieren, dass potentiell bedrohliche Bau- und Planungsvorhaben in ihrem unmittelbaren Umfeld geschehen werden und  
  • die Öffentlichkeit über das Vorhandensein bestehender und geschlossener Orte der freien Kulturszene informieren und dokumentieren. 

Die Teilnahme am Clubkataster ist freiwillig. Wer als Betreiber:in eines Clubs oder einer Live-Musikspielstätte in Leipzig im Verzeichnis aufgeführt werden möchte, kann das nach Prüfung tun. 

Wie ist das Clubkataster enstanden?

Das Clubkataster wurde als Umsetzungsvorschlag infolge einer Petition des LiveKommbinats Leipzig e.V. in den Petitionsausschuss der Stadt Leipzig übergeben und in der Ratsversammlung am 22. Mai 2019 beschlossen.   

Das LiveKommbinat Leipzig hat seitdem mit dem Dezernat Kultur, dem Amt für Geoinformation und Bodenordnung und dem Stadtplanungsamt gemeinsam konzeptionell und technisch ein Clubkataster 1.0 entwickelt, das im Frühjahr 2021 veröffentlicht werden soll. 

Kurzumfrage Lost Clubs Leipzig ⚰️

Das Clubkataster soll um Clubs und Musikspielstätten in Leipzig ergänzt werden, die nicht mehr existieren. Dazu brauchen wir das Szenewissen der Besucher:innen. Die Ergebnisse sollen auf das anhaltende Verschwinden von Veranstaltungsorten wie Clubs hinweisen und die Problematik zugleich sichtbarer machen. Wer sich also noch an einen Club aus der Vergangenheit erinnern kann, ist herzlich eingeladen, an der Kurzumfrage (ca. 3 min) teilzunehmen und ihr oder sein Wissen zu teilen. Mit dem Ergebnis der Umfrage haben wir dann die Möglichkeit, eine Liste der verschwundenen Clubs zu veröffentlichen. Helft uns, die Erinnerungen der Vergangenheit zu erhalten, um daraus eine bessere Zukunft für die (Club-)Kultur zu ermöglichen. 

Der Link zur Umfrage ist bis zum 2. Februar 2021 freigeschalten. Verlängert bis zum 8.2.2021 bit.ly/Umfrage_LostClubsLeipzig

Kontakt/AG-Mitarbeiter ‘Clubkataster’, LiveKommbinat Leipzig:

Jörg Kosinski, Frederik Sander, Falk Wacker. zentrale@livekommbinat.de 

* Natürlich ist das nicht der einzige Grund für das Verschwinden von Kulturorten. Ein Ort kann auch einfach deshalb geschlossen worden sein, weil kein ausreichend großes Publikum kein Anklang am Programm findet oder Betreiber:innen den Betrieb aus anderen Gründen aufgegeben haben.